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Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Jeden Tag sterben im Schnitt 7.500 Menschen infolge unsicherer und ungesunder Arbeitsbedingungen. Viele weitere entwickeln langanhaltende körperliche und psychische Erkrankungen.

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Sicherheit und Gesundheit im Sorgfaltsprozess adressieren

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ist ein wichtiges Recht aller Beschäftigten:innen auf der ganzen Welt und eine verbesserte Transparenz und Sorgfalt können dazu beitragen, dass dieses auch gewährleistet wird. Dieser Abschnitt beschreibt Schritte entlang des Sorgfaltsprozesses, die Unternehmen ergreifen können, um Risiken für Sicherheit und Gesundheit in ihrem Geschäftsbereich und ihren Lieferketten zu bekämpfen. Die beschriebenen Schritte orientieren sich an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs). Weitere Informationen zu den UNGPs sind der Infobox „Wichtige Rahmenwerke zu menschenrechtlicher Sorgfalt“ oder der Einführung zu entnehmen.

Die nachstehenden Schritte geben Orientierung, wie speziell das Thema Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz im Sorgfaltsprozess adressiert werden kann. Im Allgemeinen ist es für Unternehmen ressourcenschonender, ihre Sorgfaltsprozesse im Bereich Menschenrechte zu vereinheitlichen, indem sie gleichzeitig auch andere relevante Menschenrechtsthemen (z. B. Kinderbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung, Vereinigungsfreiheit) ermitteln und adressieren.

Wichtige Rahmenwerke zu menschenrechtlicher Sorgfal

In mehreren menschenrechtlichen Rahmenwerken sind Sorgfaltsprozesse beschrieben, die Unternehmen zur Achtung der Menschenrechte, einschließlich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, umsetzen sollten. Am wichtigsten sind hierbei die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs). Die 2011 eingeführten UNGPs bieten einen Leitfaden zur Umsetzung des Rahmenkonzepts „Schutz, Achtung und Abhilfe“ der Vereinten Nationen, in dem die jeweiligen Verantwortlichkeiten von Staaten und Unternehmen festgelegt sind.

Die UNGPs legen fest, wie Unternehmen menschenrechtliche Sorgfaltsprozesse umsetzen sollten. Dazu gehören:

  • Eine öffentlich zugängliche Grundsatzerklärung, die die Selbstverpflichtung des Unternehmens zur Achtung der Menschenrechte zum Ausdruck bringt
  • Ermittlung und Bewertung aller tatsächlichen oder potenziellen negativen Einwirkungen auf die Menschenrechte, an denen das Unternehmen selbst oder durch seine Geschäftsbeziehungen beteiligt sein könnte
  • Integration der Erkenntnisse aus der Risikoanalyse in die relevanten internen Geschäftsbereiche und Prozesse, sowie Ergreifung wirksamer Maßnahmen, um nachteilige menschenrechtliche Auswirkungen zu verhüten oder zu mindern
  • Wirksamkeitskontrolle der ergriffenen Maßnahmen
  • Kommunikation und Berichterstattung darüber, wie das Unternehmen mit seinen tatsächlichen oder potenziellen negativen Auswirkungen umgeht
  • Beschwerdemechanismen und Abhilfe/Wiedergutmachung von negativen Auswirkungen, die das Unternehmen verursacht oder zu denen es beigetragen hat

Die nachfolgenden Schritte folgen dem Rahmenwerk der UNGPs und stellen einen schrittweisen Prozess dar, dem Unternehmen folgen können, wenn sie menschenrechtliche Sorgfaltsprozesse einrichten.

Darüber hinaus definieren die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen die Elemente eines verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns, einschließlich der Menschen- und Arbeitsrechte.

Ein weiteres wichtiges Referenzdokument ist die Dreigliedrige Grundsatzerklärung der ILO über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik (MNU-Erklärung), die die detailliertesten Leitlinien zur Sorgfalt in Bezug auf die Rechte von Beschäftigten beinhaltet.

Unternehmen können sich beim ILO Helpdesk für Unternehmen (engl.) über diese und andere Themen im Zusammenhang mit internationalen Arbeitsnormen beraten lassen. Der ILO Helpdesk unterstützt Führungskräfte und Beschäftigte, die die Richtlinien und Verfahren ihres Unternehmens an den Prinzipien der internationalen Arbeitsnormen ausrichten. Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz wird dabei ein konkreter Abschnitt gewidmet.

Darüber hinaus bietet der KMU Kompass Unterstützung entlang des gesamten menschenrechtlichen Sorgfaltsprozesses, indem er Unternehmen durch die fünf zentralen Phasen menschenrechtlicher Sorgfalt führt. Der KMU Kompass wurde speziell für die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) entwickelt, ist jedoch frei verfügbar und kann auch von anderen Unternehmen genutzt werden. Das Tool, das auf Englisch und Deutsch verfügbar ist, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte der Bundesregierung und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

1. Entwicklung einer Grundsatzerklärung zu Sicherheit und Gesundheit

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs sollte eine menschenrechtliche Grundsatzerklärung so gestaltet sein, dass sie:

  • „auf höchster Führungsebene des Wirtschaftsunternehmens angenommen wird“
  • „sich auf einschlägiges internes und/oder externes Fachwissen stützt“
  • „menschenrechtsbezogene Erwartungen des Unternehmens an die Mitarbeiter, Geschäftspartner und sonstigen Parteien festlegt, die mit seiner Geschäftstätigkeit, seinen Produkten oder seinen Dienstleistungen unmittelbar verbunden sind“
  • „öffentlich verfügbar ist sowie intern und extern allen Mitarbeitern, Geschäftspartnern und sonstigen relevanten Parteien mitgeteilt wird“
  • „sich in den operativen Politiken und Verfahren widerspiegelt, die notwendig sind, um sie innerhalb des gesamten Wirtschaftsunternehmens zu verankern“

In vielen Ländern ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Unternehmen über Sicherheits- und Gesundheitsrichtlinien und entsprechende Maßnahmen verfügen. Das Ausmaß, in dem eine Richtlinie den Beschäftigten oder Zulieferbetrieben mitgeteilt und im gesamten Unternehmen umgesetzt wird, ist jedoch oft unterschiedlich.

Sicherheits- und Gesundheitsrichtlinien sollten sich an den gesetzlichen Bestimmungen des Landes orientieren, in dem das Unternehmen registriert ist, sowie an den Bestimmungen anderer Länder, in denen das Unternehmen tätig ist oder aus denen es Waren und Dienstleistungen bezieht. Wenn ein Unternehmen in Ländern tätig ist, in denen höhere Sicherheits- und Gesundheitsstandards oder Schutzmaßnahmen für Beschäftigte gelten, sollte dies in der Richtlinie berücksichtigt werden. Ein Verhaltenskodex für Zulieferbetriebe sollte neben anderen Menschenrechtsbestimmungen auch Sicherheits- und Gesundheitsstandards beinhalten. Da sich arbeitsbedingte Verletzungen nie ganz ausschließen lassen, sollten Sicherheits- und Gesundheitsrichtlinien auch die soziale Absicherung der Beschäftigten einbeziehen und im Falle von Verdienstausfällen und ärztlicher Betreuung für eine entsprechende Entschädigung bzw. Schadensersatz sorgen. Bei Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, müssen die Richtlinien für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Bezug auf den Schutz der Beschäftigten und Entschädigungen möglicherweise für jedes Land entsprechend den örtlichen gesetzlichen Anforderungen festgelegt werden.

Unternehmen mit eigenen Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien sind unter anderem Marshalls Plc und LEGO. Beispiele für Richtlinien, die Bestimmungen zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz mit anderen Themen wie dem Umweltschutz verbinden, sind die LG-Richtlinie „Sicherheit, Gesundheit und Umweltpolitik“ und die SHE Way-Richtlinie (engl.: Safety, Health, Energy and Environment – SHE) von Anglo American. Verpflichtungen zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sind häufig in Verhaltenskodizes oder Lieferantenkodizes enthalten, wie z. B. im Ethischen Kodex für Zulieferbetriebe von ASOS, in dem die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit für die gesamte Lieferkette klar formuliert sind.

Unternehmen können auch in Erwägung ziehen, ihre Richtlinien an einschlägigen branchenweiten oder branchenübergreifenden Verpflichtungen auszurichten, wie zum Beispiel:

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • United Nations Global Compact-OHCHR, Ein Leitfaden für Unternehmen: Menschenrechtstrategien entwickeln: Dieser Leitfaden liefert Empfehlungen für die Entwicklung einer Grundsatzerklärung und enthält Auszüge aus den Richtlinien von Unternehmen, die sich auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz beziehen.
  • KMU Kompass, Sorgfalts-KompassDieses Online-Tool bietet Umsetzungshilfen für die Entwicklung einer Menschenrechtsstrategie und die Formulierung einer Grundsatzerklärung.
  • KMU Kompass, Grundsatzerklärung: Die Praxishilfe zur Grundsatzerklärung unterstützt Unternehmen Schritt für Schritt bei der Entwicklung einer Grundsatzerklärung und zeigt anhand von Anwendungsbeispielen wie die Anforderungen erfüllt werden können.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • ILO, Helpdesk for Business on International Labour Standards: Der ILO Helpdesk für Unternehmen bietet Führungskräften und Beschäftigten Informationen darüber, wie sie ihre Geschäftstätigkeiten besser mit den internationalen Arbeitsnormen in Einklang bringen können, einschließlich in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Der Abschnitt „Fragen und Antworten“ enthält Antworten auf die häufigsten Fragen, mit denen sich Unternehmen an die ILO wenden, auch im Hinblick auf Unternehmensrichtlinien zu Sicherheit und Gesundheit.
  • United Nations Global Compact and ILO, Advancing decent work in business through the UN Global Compact Labour Principles: Dieses Training hilft Unternehmen, die einzelnen Arbeitsprinzipien und die damit verbundenen Konzepte und bewährten Praktiken zu verstehen, und zeigt praktische Schritte auf, die Unternehmen dabei helfen, Maßnahmen zu ergreifen

2. Ermittlung potenzieller und tatsächlicher Auswirkungen

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs sollte eine Ermittlung der menschenrechtlichen Auswirkungen:

  • „je nach Größe des Wirtschaftsunternehmens, des Risikos schwerer menschenrechtlicher Auswirkungen und der Art und des Kontexts seiner Geschäftstätigkeit von unterschiedlicher Komplexität sein“
  • „sich auf die nachteiligen menschenrechtlichen Auswirkungen erstrecken, die das Wirtschaftsunternehmen durch seine eigene Tätigkeit unter Umständen verursacht oder zu denen es beiträgt oder die infolge seiner Geschäftsbeziehungen mit seiner Geschäftstätigkeit, seinen Produkten oder Dienstleistungen unmittelbar verbunden sind“
  • „sinnvolle Konsultationen mit potenziell betroffenen Gruppen und Anderen in Betracht kommenden Stakeholdern umfassen“, zusätzlich zu anderen Informationsquellen wie Audits
  • fortlaufend sein

Bei der Ermittlung menschenrechtlicher Auswirkungen sollten sowohl tatsächliche als auch potenzielle Auswirkungen untersucht werden, d. h. Auswirkungen, die bereits eingetreten sind oder eintreten könnten. Dies steht im Gegensatz zu einer Risikoabschätzung, bei der nur die potenziellen Auswirkungen untersucht werden und die möglicherweise nicht alle der oben genannten Kriterien erfüllt.

Die Ermittlung von Risiken für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz unterscheidet sich häufig von der Ermittlung anderer Menschenrechtsrisiken, wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Nichtdiskriminierung. Risikoanalysen im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz sind häufig gesetzlich vorgeschrieben. Risikoanalysen sind in diesem Bereich daher gut etabliert und detailliert. Beispiele für Leitlinien zu Risikoanalysen für Unternehmen in bestimmten Branchen oder Ländern sind:

Viele Unternehmen unterscheiden auch klar zwischen den Risiken für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in ihrem eigenen Geschäftsbereich und bei Akteuren in der Lieferkette, wobei die Verantwortung für die Lieferkette in den meisten Fällen auf die Zulieferbetriebe übertragen wird. Risikoanalysen zur Sicherheit und Gesundheit in den eigenen Betrieben können detailliert sein, da die Überprüfung aller Prozesse, Einrichtungen, Tätigkeiten und verwendeten Stoffe möglich ist. Sicherheits- und gesundheitsbezogene Risikoanalysen in der Lieferkette können im ersten Schritt anhand von quantitativen Daten und Länderrisikoprofilen sowie anhand spezifischer Risikodaten für Branchenaktivitäten oder bekannte Stoffe durchgeführt werden.

Risikoanalysen zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz können weiterhin Spezialist:innen und technische Expert:innen erfordern, wenn es um die Beurteilung von körperlichen Tätigkeiten innerhalb eines Unternehmens und seiner Lieferkette geht. So sollten beispielsweise für eine Lieferkette, die mit gefährlichen Stoffen zu tun hat, entsprechende Sachverständige miteinbezogen werden, damit die neuesten Informationen und bewährten Verfahren – die eigenen Angestellten möglicherweise nicht bekannt sind – berücksichtigt werden. Unternehmen veröffentlichen ihre Risikoanalysen für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nur selten, aber einige Unternehmensberichte enthalten die Ergebnisse von entsprechenden Risikoanalysen oder Gesundheits- und Sicherheitsrisikoprofile, wie z. B. der 2020 Sustainability Report von Anglo American.

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • CSR Risiko-Check: Mit diesem Tool können Unternehmen prüfen, welchen internationalen CSR-Risiken (einschließlich in Verbindung mit Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz) sie ausgesetzt sind und was zu deren Bewältigung getan werden kann. Das Tool bietet maßgeschneiderte Informationen über die länderspezifische Menschenrechtslage sowie zu verschiedenen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen. Der CSR Risiko-Check ermöglicht Nutzer:innen eine Filterung nach Produkten, Dienstleistungen und Herkunftsländern. Das Tool wurde von MVO Nederland entwickelt; die deutsche Version wird vom Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte der Bundesregierung und UPJ finanziert und umgesetzt.
  • KMU Kompass, Sorgfalts-Kompass: Dieses Tool enthält Empfehlungen, wie potenzielle und tatsächliche Risiken ermittelt, bewertet und priorisiert werden können.
  • KMU Kompass, Risikoanalyse-Tool: Das Tool hilft Unternehmen dabei, bedeutende Menschenrechts- und Umweltrisiken entlang ihrer Wertschöpfungsketten zu lokalisieren, zu bewerten und zu priorisieren.
  • KMU Kompass, Praxishilfe Lieferantenprüfung: Dieser praktische Leitfaden gibt Orientierung beim Lieferantenmanagement. Unternehmen erfahren, was bei der Überprüfung eigener Lieferanten zu beachten ist und wie sie mit Kundenanforderungen umgehen können.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • ILO, 5 Step Guide for Employers, Workers and Their Representatives on Conducting Workplace Risk Assessments: Diese Tipps unterstützen Unternehmen jeder Größe und Branche bei der Risikobeurteilung im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
  • ILO, Guidelines on Occupational Safety and Health Management Systems, ILO-OSH 2001: Dieser Leitfaden enthält Umsetzungshilfen zur Ausarbeitung und Umsetzung eines Arbeitsschutzmanagementsystems.
  • ILO, Training Resources on Stress and Ergonomics Risk Assessments: Diese Schulungsmaterialien bieten Informationen zu Risiken am Arbeitsplatz (einschließlich Stressprävention und Ergonomie) und deren Ermittlung.
  • ILO, Statistics on Health and Safety at Work: Diese Statistiken umfassen Informationen aus unterschiedlichen Ländern zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
  • ILO, Country Profiles on Occupational Safety and Health: Diese Länderprofile bieten Informationen über die Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften verschiedener Länder, einschließlich nationaler Gesetze, Vorschriften, Richtlinien und Statistiken.
  • European Agency for Safety and Health at Work, OSH Barometer: Das Arbeitsschutzbarometer ist ein Tool zur Datenvisualisierung mit aktuellen Informationen über den Stand und die Trends im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz in den europäischen Ländern, einschließlich zu Arbeitsschutzbehörden, nationalen Strategien, Arbeitsbedingungen und Statistiken zu Arbeits- und Gesundheitsschutz.

3. Integration und Durchführung relevanter Maßnahmen

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs setzt eine wirksame Integration voraus, dass:

  • „die Verantwortung dafür, diesen [menschenrechtlichen] Auswirkungen zu begegnen, auf einer angemessenen Ebene und in einem angemessenen Aufgabenbereich innerhalb des Wirtschaftsunternehmens angesiedelt wird“ (z. B. oberste Führungsebene, Geschäftsführung und Vorstandsebene)
  • „die internen Entscheidungs-, Mittelzuweisungs- und Aufsichtsverfahren es gestatten, wirksame Gegenmaßnahmen gegen diese Auswirkungen zu treffen“

Die Maßnahmen und Systeme, die ein Unternehmen umsetzen muss, hängen von den Ergebnissen der Risikoanalyse zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ab. Viele Unternehmen befolgen und erstellen ein Arbeitsschutz-Managementprotokoll, z. B. mit Prozessen, die in der Norm ISO45001 oder anderen gleichwertigen Branchen- oder Länderstandards, wie der Managing for Health and Safety (HSG65)-Empfehlungen im Vereinigten Königreich, beschrieben sind. Zu den Sofortmaßnahmen gehört die Verankerung von Strategien und Protokollen in den Geschäftsabläufen zur Vermeidung von Risiken und zur Gewährleistung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Dies kann die Entwicklung neuer Arbeitsweisen, die Anschaffung neuer Maschinen oder Geräten zur Automatisierung gefährlicher Prozesse oder die Umstellung von Prozessen beinhalten, um sie für Beschäftigten sicherer zu machen (z. B. Änderung des Schichtplans, um dafür zu sorgen, dass Beschäftigten zwischen den Schichten ausreichende Ruhezeiten erhalten).

Weitere Beispiele für Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sind:

  • Ernennung von Arbeitssicherheitsbeauftragten und Komitees für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten: Wie im ILO-Übereinkommen Nr. 155 über Arbeitsschutz und Arbeitsumwelt (1981) und in der ILO-Empfehlung Nr. 164 betreffend Arbeitsschutz und Arbeitsumwelt (1981) vorgesehen und auch in dem Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme (engl.) hervorgehoben, ist die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber:innen und Beschäftigten von entscheidender Bedeutung für einen erfolgreichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dies kann die Ernennung von Arbeitssicherheitsbeauftragten, von Komitees für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten und/oder gemeinsamen Komitees für Arbeits- und Gesundheitsschutz sein, denen auch Unternehmensvertreter:innen in gleichem Maße angehören. Diese Komitees oder gegebenenfalls andere Arbeitnehmervertreter:innen sollten ausreichend über die Risiken am Arbeitsplatz und die Maßnahmen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz informiert werden. Die Komitees sollten außerdem ermutigt werden, entsprechende Maßnahmen vorzuschlagen und sie sollten mit einbezogen werden, wenn wichtige neue Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen geplant sind. Es sollte ihnen weiterhin möglich sein, sich während der bezahlten Arbeitszeit mit Beschäftigten über Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes zu unterhalten und es sollten ihnen genügend Zeit gegeben werden, um ihre Aufgaben im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz wahrzunehmen und entsprechende Schulungen zu erhalten.
  • Schulungen zu Sicherheits- und Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Zulieferbetriebe: Ein weiterer wichtiger Bestandteil eines jeden Arbeitsschutzmanagementsystems ist die Aufklärung und Schulung der Beschäftigten und Zulieferbetriebe des Unternehmens. Schulungsinhalte können Sicherheits- und Gesundheitsschutzgesetze, Unternehmensrichtlinien, Verfahren zum Schutz der Beschäftigten, die sichere Verwendung und Wartung von Maschinen, Stoffen und Geräten sowie maßgeschneiderte oder zusätzliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzverfahren für Beschäftigte mit unterschiedlichen Bedürfnissen (z. B. für Menschen mit Behinderungen oder Schwangere) sein. Die Schulungen können in verschiedenen Formaten durchgeführt werden, z. B. als Online-Videos, E-Learning, Workshops oder runde Tische mit Zulieferbetrieben.
  • In den meisten Unternehmen müssen alle Beschäftigten in irgendeiner Form in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz geschult werden, auch wenn ihre Tätigkeit als ungefährlich angesehen wird. So müssen Büroangestellte beispielsweise weiterhin darin geschult werden, wie sie das Gebäude im Notfall sicher verlassen können und sie können Ratschläge zur korrekten Einrichtung des Arbeitsplatzes erhalten, um Muskel-Skelett-Verletzungen durch schlechte Körperhaltung zu vermeiden. Die Schulungen können auch speziell auf einzelne Arbeitsgruppen zugeschnitten sein, um sicherzustellen, dass diese in der Lage sind, ihre Arbeit sicher auszuführen, z. B. Schulungen für Beschäftigte, die in der Höhe oder unter Tage arbeiten. Weitere Beispiele für Sicherheits- und Gesundheitstrainings sind Schulungen zur psychischen Gesundheit und zum Wohlbefinden der Beschäftigten, wie etwa die Kampagne „Green Light to Talk“ von PricewaterhouseCoopers (PwC).
  • Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI) können das notwendige Fachwissen, Umsetzungshilfen und Größenvorteile bieten, um sich mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz auf verantwortungsvolle, sektorspezifische Weise zu befassen. MSIs können Unternehmen auch dabei helfen, von verschiedenen Stakeholdergruppen wie Unternehmen, Regierungen und zivilgesellschaftlichen, zwischenstaatlichen und nichtstaatlichen Organisationen zu lernen. Beispiele hierfür sind der International Council on Mining and Metals (ICMM), der seinen Mitgliedern Diskussionsrunden, Leitfäden und Good-Practice-Beispiele zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz anbietet; das Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (engl.: Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh, Bangladesh Accord), in dem Dutzende von Modeeinzelhändlern zusammenarbeiten, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in Textilfabriken nach der Rana-Plaza-Katastrophe im Jahr 2013 zu verbessern; und die Business Alliance Against Malaria – ein Zusammenschluss von Unternehmen, die an Innovationen für eine malariafreie Welt zusammenarbeiten.
Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • KMU Kompass, Sorgfalts-KompassDas Tool bietet Empfehlungen, wie Menschenrechte in Unternehmen verankert werden können, wie ein Aktionsplan erstellt und umgesetzt werden kann und wie eine Überprüfung von Lieferanten und der Aufbau von Kompetenzen erfolgen kann.
  • KMU Kompass, Anspruchsgruppen und Kooperationspartner identifizieren: Dieser praktische Leitfaden soll Unternehmen dabei helfen, relevante Stakeholder und Kooperationspartner zu identifizieren und zu klassifizieren.
  • KMU Kompass, Standards-Kompass: Dieses Online-Tool bietet eine Orientierung, worauf bei der Auswahl von Nachhaltigkeitsstandards oder bei der Teilnahme an Multi-Stakeholder-Initiativen zu achten ist. Es ermöglicht den Vergleich von Standards und Initiativen in Hinblick auf ihren Beitrag zu menschenrechtlichen Sorgfaltsprozessen und mögliche Grenzen.
  • Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz: Die Agentur bietet eine Liste von Instrumenten und Ressourcen für die Sensibilisierung und den Umgang mit Sicherheits- und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, darunter Leitfäden zu Gefahrenstoffen, Fahrzeugsicherheit und Stressmanagement.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • ILO, Helpdesk for Business on International Labour Standards: Der ILO Helpdesk für Unternehmen bietet Führungskräften und Beschäftigten Informationen darüber, wie sie ihre Geschäftstätigkeiten besser mit den internationalen Arbeitsnormen, einschließlich in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, in Einklang bringen können. Der Abschnitt „Fragen und Antworten“ enthält Antworten auf die häufigsten Fragen mit denen sich Unternehmen an die ILO wenden, einschließlich zu betrieblichen Arbeitsschutz-Managementsystemen,.
  • ILO, Guidelines on Occupational Safety and Health Management Systems (ILO-OSH 2001): Diese Leitlinien enthalten Empfehlungen für Managementsysteme für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.
  • ILO, OSH Management System: A Tool for Continuous Improvement: Diese Umsetzungshilfe unterstützt Unternehmen bei der Überprüfung, Bewertung und Verbesserung von Arbeitsschutzmanagementsystemen.
  • ISO, 45001: Occupational Health and Safety Standard: Die erste internationale Norm für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, die auf der Norm OHSAS18001 aufbaut und ähnlich strukturiert ist wie andere ISO-Managementsysteme (ISO 14001 und ISO 9001).
  • ILO and United Nations Global Compact, Nine Business Practices for Improving Safety and Health Through Supply Chains and Building a Culture of Prevention and Protection: Dieser Bericht nennt Maßnahmen, die Unternehmen umsetzen können, um menschenwürdige Arbeit zu fördern und Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz weltweit zu verbessern, insbesondere wenn sie in Ländern mit unzureichenden Sicherheits- und Gesundheitsstandards und begrenzten Arbeitsunfallschutzmaßnahmen tätig sind.
  • ILO, SOLVE Training Package: Integrating Health Promotion into OSH Policies: Das Schulungsmaterial zu Wohlbefinden und Gesundheitsfragen am Arbeitsplatz (wie Rauchen, Stress und HIV/AIDS) umfasst einen Leitfaden für Ausbildende, Unterrichtspläne und ein Arbeitsbuch für Teilnehmende.
  • ILO, Occupational Safety and Health within Sustainable Sourcing Policies of Multinational Enterprises: Dieser Bericht enthält Fallstudien und Beispiele für die Umsetzung wirksamer und erfolgreicher Arbeitsschutzmaßnahmen in internationalen Lieferketten mit Schwerpunkt auf Landwirtschaft und Textil.

4. Wirksamkeitskontrolle der Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs sollte die Wirksamkeitskontrolle:

  • „von geeigneten qualitativen und quantitativen Indikatoren ausgehen“
  • „auf Rückmeldungen seitens interner wie externer Quellen zurückgreifen, einschließlich betroffener Stakeholder“ (z. B. mittels Beschwerdemechanismen)

Unternehmen sollten regelmäßig ihre Leistungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz messen und kontrollieren, um zu ermitteln, wo Verbesserungen möglich und notwendig sind. Die meisten Unternehmen sammeln regelmäßig Informationen über „nachlaufende“ Indikatoren für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, darunter:

  • Unfälle und Verletzungen
  • Leckagen, Brände, Explosionen oder Sicherheitsvorfälle
  • Entgangene Einnahmen/Kosten für Sicherheitsvorfälle
  • Todesfälle
  • Verlorene Personentage oder Erholungszeit aufgrund von Vorfällen
  • Medizinische Versorgung
  • Krankheitsbedingte Fehltage
  • Verluste durch Entschädigung bei Verdienstausfall

Neben der Kontrolle der nachlaufenden Indikatoren für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind Unternehmen auch dazu angehalten, Informationen über „vorlaufende“ Indikatoren für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu sammeln, bei denen es sich um proaktive, präventive und vorausschauende Maßnahmen handelt, die Aufschluss über die tatsächliche Leistung von Arbeits- und Gesundheitsschutzaktivitäten geben. Beispiele für vorlaufende Indikatoren sind:

  • Anzahl der Beschäftigten, die an einer monatlichen Sitzung zu Arbeits- und Gesundheitsschutz teilnehmen
  • Anzahl der Beschäftigten, die um Feedback zu guten Arbeits- und Gesundheitsschutzzielen gebeten wurden
  • Wie oft pro Monat die Unternehmensleitung ein Sicherheits- oder Gesundheitsthema zur Diskussion stellt
  • Durchschnittliche Punktezahl bei Umfragen zur Wahrnehmung der Beschäftigten in Bezug auf das Engagement des Unternehmens für Sicherheit und Gesundheitsschutz
  • Anzahl der sicherheitsrelevanten Posten im Budget und Prozentsatz dieser Posten, die jedes Jahr vollständig finanziert werden

Die Verantwortung für die Datenerhebung sollte eindeutig zuständigen Stellen im Unternehmen zugewiesen werden und die Berichterstattung sollte nach einem festgelegten Zeitintervall erfolgen (z. B. einmal im Monat).

Zu zusätzlichen Kontrollmaßnahmen können angekündigte und unangekündigte Audits gehören, um mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsvorkehrungen festzustellen, wie z. B. verschlossene Türen, unsaubere Arbeitsplätze, unsichere Maschinen, Geräte oder Arbeitsabläufe und fehlende Schutzausrüstung. Solche Monitorings oder Audits können intern vom Unternehmen selbst durchgeführt werden oder durch vom Unternehmen beauftragte Dritte erfolgen. Zu den gängigen Zuliefereraudits, die sich auf die meisten Branchen erstrecken und Indikatoren für Sicherheit und Gesundheit enthalten, gehören SMETA Audits und SA8000-akkreditierte Audits. Unternehmen sollten die am besten geeignete Auditmethode für die Kontrolle des Arbeitsschutzes in ihrem Geschäftsbereich und ihren Lieferketten wählen, da für jede Branche andere Sicherheits- und Gesundheitskriterien existieren, die überprüft werden sollten.

Ein Beispiel für die Wirksamkeitskontrolle im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Lieferkette liefert das Textilunternehmen Inditex, das jedes Jahr Arbeitsschutzaudits bei Zulieferbetrieben durchführt. Unternehmen, die eine Kontrolle der Arbeitsschutzleistung innerhalb des eigenen Geschäftsbereichs durchführen, sind beispielsweise Equinox Gold und Total.

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • KMU Kompass, Sorgfalts-KompassDieses Tool bietet hilfreiche Empfehlungen zur Wirksamkeitsmessung von Maßnahmen.
  • KMU Kompass, Praxishilfe zu Kennzahlen im SorgfaltsprozessUnternehmen können diese Übersicht ausgewählter quantitativer Leistungsindikatoren nutzen, um die Umsetzung zu messen, intern zu steuern und/oder extern zu berichten.

 Hilfreiche Informationen auf Englisch

5. Kommunikation und Berichterstattung

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs sollte die Kommunikation:

  • „in einer Form und Häufigkeit vorgelegt werden, die den menschenrechtlichen Auswirkungen des Unternehmens entspricht und für die vorgesehene Zielgruppe zugänglich ist“
  • „ausreichende Informationen enthalten, um die Angemessenheit der Gegenmaßnahmen eines Unternehmens in Bezug auf die betreffende menschenrechtliche Auswirkung bewerten zu können“
  • „weder betroffene Stakeholder oder Mitarbeiter noch legitime geschäftliche Vertraulichkeitserfordernisse Risiken aussetzen“

Von Unternehmen wird erwartet, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz in einem formellen Bericht veröffentlichen. Viele Länder verfügen über nationale Bestimmungen bezüglich der Berichterstattung über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz für Unternehmen, aber es gibt auch mehrere globale Berichtsrahmen und -standards, die verwendet werden können, z. B. der Standard GRI 403: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz der Global Reporting Initiative. Der Standard enthält Informationen darüber, was in den Angaben zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz enthalten sein sollte und gilt für Unternehmen aller Branchen und Länder. Darüber hinaus existieren auch branchenspezifische Leitfäden, wie z. B. die IPIECA-Leitfäden für die Öl- und Gasindustrie.

Eigenständige Sicherheits- und Gesundheitsberichte sind in gefährlichen Industriezweigen wie der Öl- und Gasindustrie oder dem Bergbau üblich (siehe: Sicherheitsbericht 2019 von Shell), aber die Berichterstattung über Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz kann auch in Nachhaltigkeits- oder Jahresberichten (siehe: Nissans Nachhaltigkeitsbericht 2019) oder in einem jährlichen Fortschrittsbericht (engl.: Communication on Progress – CoP) zur Umsetzung der 10 Prinzipien des UN Global Compact enthalten sein.

Die Berichterstattung über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz erfolgt in der Regel vierteljährlich oder jährlich, wenn nicht sogar noch regelmäßiger, da dies ein wesentlicher Betriebsfaktor für alle Unternehmen ist. Einige Unternehmen berichten in verschiedenen Formaten über Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, wie z. B. Shell, das seine Leistungsdaten zur Sicherheit regelmäßig aktualisiert, auf seiner Website spezielle Bereiche für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz hat und diesen Themenbereich auch in seine Jahres- und Nachhaltigkeitsberichte aufnimmt. Alternativ dazu kommunizieren einige Unternehmen ihre Arbeit und Leistungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz in ihren Jahresberichten. Das Textilunternehmen Inditex beispielsweise veröffentlicht entsprechende Daten in seinem Jahresbericht und in seiner jährlichen nichtfinanziellen Erklärung.

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Hierbei handelt es sich um einen Berichtsstandard für Nachhaltigkeitsaspekte mit 20 Kriterien, darunter Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte.
  • KMU Kompass, Sorgfalts-Kompass: Dieses Tool bietet hilfreiche Empfehlungen zur Kommunikation von Fortschritten in Bezug auf menschenrechtliche Sorgfalt.
  • KMU Kompass, Praxishilfe für zielgruppenorientierte Kommunikation: Dieser praktische Leitfaden hilft Unternehmen dabei, ihre Stakeholder zu identifizieren und geeignete Kommunikationsformate und -kanäle zu finden.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • Global Reporting Initiative, GRI Topic Standard Project for Occupational Health and Safety: Diese Informationen bieten eine Orientierungshilfe für die Berichterstattung über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, um die Anforderungen des GRI-Standards 403 zu erfüllen.
  • UNGP Reporting Framework: Eine kurze Reihe von Fragen („Berichtsrahmen“) und Umsetzungshinweisen für berichtende Unternehmen und Leitlinien für interne Auditor:innen und externe Prüforganisationen.
  • United Nations Global Compact, Communication on Progress (CoP): Der Fortschrittsbericht sorgt für eine weitere Stärkung der Transparenz und Rechenschaftspflicht von Unternehmen.

6. Beschwerdemechanismen und Abhilfe

UNGP-Anforderungen

Gemäß der UNGPs sollten Beschwerdemechanismen und Abhilfemaßnahmen die folgenden Überlegungen beinhalten:

  • „Stellen Wirtschaftsunternehmen fest, dass sie nachteilige Auswirkungen verursacht oder dazu beigetragen haben, sollten sie durch rechtmäßige Verfahren für Wiedergutmachung sorgen oder dabei kooperieren.“
  • „Beschwerdemechanismen auf operativer Ebene für die von der Tätigkeit des Wirtschaftsunternehmens potenziell Betroffenen können ein wirksames Mittel sein, um Wiedergutmachung zu ermöglichen, sofern sie bestimmte Schlüsselkriterien erfüllen.“

Um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten, sollten Beschwerdemechanismen:

  • legitim sein: Sie ermöglichen das Vertrauen der Stakeholdergruppen, für die sie vorgesehen sind, und sind rechenschaftspflichtig im Sinne einer fairen Abwicklung von Beschwerdeverfahren“
  • zugänglich sein: Sie sind allen Stakeholdergruppen, für die sie vorgesehen sind, bekannt und gewähren denjenigen, die im Hinblick auf den Zugang zu ihnen unter Umständen vor besonderen Hindernissen stehen, ausreichende Unterstützung“
  • berechenbar sein: Sie bieten ein klares, bekanntes Verfahren mit einem vorhersehbaren zeitlichen Rahmen für jede Verfahrensstufe an, ebenso wie klare Aussagen zu den verfügbaren Arten von Abläufen und Ergebnissen und Mitteln zur Überwachung der Umsetzung“
  • ausgewogen sein: Sie sind bestrebt, sicherzustellen, dass die Geschädigten vertretbaren Zugang zu den Quellen für Informationen, Beratung und Fachwissen haben, die sie benötigen, um an einem Beschwerdeverfahren auf faire, informierte und respektvolle Weise teilnehmen zu können“
  • transparent sein: Sie informieren die Parteien eines Beschwerdeverfahrens laufend über dessen Fortgang und stellen genügend Informationen über die Leistung des Beschwerdemechanismus bereit, um Vertrauen in seine Wirksamkeit zu bilden und etwaigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen“
  • Rechte-kompatibel sein: Sie stellen sicher, dass die Ergebnisse und Abhilfen mit international anerkannten Menschenrechten in Einklang stehen“
  • eine Quelle kontinuierlichen Lernens sein: Sie greifen auf sachdienliche Maßnahmen zurück, um Lehren zur Verbesserung des Mechanismus und zur Verhütung künftiger Missstände und Schäden zu ziehen“
  • auf Austausch und Dialog aufbauen: Sie konsultieren die Stakeholdergruppen, für die sie vorgesehen sind, hinsichtlich ihrer Gestaltung und Leistung und stellen auf Dialog als Mittel ab, um Missständen zu begegnen und sie beizulegen“

Beschwerdemechanismen können eine wichtige Rolle bei der Identifizierung und Wiedergutmachung von negativen Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit in den Geschäftsabläufen und Lieferketten spielen. Beschwerdemechanismen sind im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz besonders wichtig, da Probleme und Risiken so schnell wie möglich erkannt werden müssen, damit sie nicht weiter ausufern oder noch mehr Menschen davon betroffen sind. Unternehmen sollten über Beschwerdemechanismen verfügen, über die Beschäftigte Probleme vertraulich melden können, sowie über schnelle Meldemöglichkeiten für Missstände oder Vorfälle wie auslaufende Chemikalien oder unsichere Geräte und Maschinen.

Es ist wichtig, dass sämtliche Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme so schnell wie möglich behoben werden. Sicherheits- und Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz können oft nur durch handwerkliche Tätigkeiten (z. B. die Reparatur defekter Maschinen) behoben werden. Daher sollten Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten getroffen werden, bis das Problem behoben ist. Möglicherweise müssen auch die Betriebsabläufe oder die Sicherheits- und Gesundheitsprotokolle geändert werden, damit sich ein bestimmter Vorfall nicht wiederholt. Laut ILO-Übereinkommen Nr. 155 über Arbeitsschutz und Arbeitsumwelt (Art. 13) müssen Beschäftigte, die sich von einer Arbeitssituation entfernt haben, die eine unmittelbare und ernste Gefahr für ihr Leben oder ihre Gesundheit darstellte, vor ungerechtfertigten Folgen geschützt werden.

Unternehmen müssen unter Umständen auch erhebliche Entschädigungen an betroffene Personen zahlen. Im Falle eines größeren Vorfalls drohen ihnen außerdem Geldstrafen und straf- oder zivilrechtliche Schritte. Ein Beispiel hierfür ist der Zusammenbruch des Brumadhino-Staudamms in Brasilien, bei dem 270 Beschäftigte und Anwohnende ums Leben kamen. Das verantwortliche Bergbauunternehmen Vale zahlte vor kurzem 7 Mrd. USD Entschädigung an die Opfer und ihre Familien und die Unternehmensleitung wurde wegen Mordes angeklagt, weil die Sicherheits- und Gesundheitsschutzmechanismen, die einen Dammbruch verhindern und im Falle eines Dammbruchs Menschenleben schützen sollten, nicht ausreichend vorhanden waren.

Um solche Szenarien zu vermeiden und die Absicherung der Beschäftigten von Anfang an zu berücksichtigen, sind sich immer mehr Unternehmen der Notwendigkeit von Sozialversicherungssystemen bewusst und erkennen die besondere Rolle, die diese bei der Stärkung der nationalen Einrichtungen spielen können. Im Bekleidungssektor haben internationale Einkäufer und Einzelhändler erkannt, dass in Fällen, in denen die nationalen Sozialversicherungssysteme noch nicht weit genug entwickelt sind, um alle Beschäftigten vollständig gegen arbeitsbedingte Verletzungen abzusichern, alternative, zeitlich befristete Lösungen erforderlich sind. Dabei kann es sich um vorübergehende Lösungen handeln, die entsprechend (aus freiwilligen und befristeten Beiträgen) finanziert werden. Nationale Organisationen können – mit Unterstützung der ILO – internationalen Einkäufern und Einzelhändlern dabei helfen, geeignete Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • KMU Kompass, Sorgfalts-Kompass: Das Online-Tool bietet hilfreiche Empfehlungen zur Einrichtung von Beschwerdemechanismen sowie zum Umgang mit Beschwerden.
  • KMU Kompass, Praxishilfe zu effektivem BeschwerdemanagementUnternehmen können diesen Leitfaden nutzen, um ihre Beschwerdemechanismen gemäß der acht UNGP-Effektivitätskriterien wirksamer zu gestalten. Darüber hinaus enthält er praktische Beispiele für Beschwerdemechanismen anderer Unternehmen.
  • Deutsches Global Compact Netzwerk, Zuhören lohnt sich: Menschenrechtliches Beschwerdemanagement verstehen und umsetzen: Dieser Leitfaden enthält Umsetzungshilfen für Unternehmen zur Gestaltung wirksamer Beschwerdemechanismen, einschließlich praxisbezogener Ratschläge und Beispiele. 

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • Ethical Trading Initiative, Access to Remedy: Practical Guidance for Companies: Dieser Leitfaden erläutert die wichtigsten Bestandteile von Beschwerdemechanismen, die es Unternehmen ermöglichen, Abhilfe und Wiedergutmachung anbieten zu können.