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Indigene Völker

Indigene Völker stellen weniger als 5 % der Weltbevölkerung, machen aber rund 15 % der Armen weltweit aus. Nach wie vor sind sie Vertreibung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.

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Themenspezifische Risikofaktoren

Mehrere Faktoren befördern Verletzungen der Rechte indigener Völker. Zu diesen zählen:

  • Ein unzureichender Rechtsrahmen und schwache Regulierung bieten indigenen Völkern schlechten Schutz. Einige Länder erkennen die indigene Identität nicht an oder ignorieren spezifische indigene Anliegen oder Lebensweisen, was zu Verstößen gegen die Rechte indigener Völker führt. Auch in Ländern, in denen es ein bestimmtes Maß an rechtlichem Schutz gibt, kann dieser unzureichend sein, da nur einzelne Aspekte der Rechte indigener Völker abgedeckt werden, andere jedoch nicht. Das Fehlen von Bestimmungen, die die Durchführung von Konsultationen mit indigenen Völkern bei Erschließungsprojekten auf Stammesgebieten vorschreiben, hat beispielsweise rechtliche Folgen für privatwirtschaftliche Akteure, die in Ländern tätig sind, die das ILO-Übereinkommen Nr.169 ratifiziert haben.
  • Eine schwache Durchsetzung der Gesetze zu den Rechten indigener Völker aufgrund eines mangelhaften Verständnisses dieser Gesetze und der indigenen Kulturen, unzureichender Ausbildung oder Ressourcen sowie widersprüchlicher wirtschaftlicher und politischer Interessen stellt einen Risikofaktor dar. Ein hoher Grad an Korruption kann ebenfalls zu Verletzungen der Rechte indigener Völker beitragen, z. B. bei der Erteilung von Landnutzungsgenehmigungen in indigenen Stammesgebieten. Darüber hinaus trägt ein mangelndes Verständnis der Rechte indigener Völker bei verschiedenen Beteiligten, einschließlich lokaler oder nationaler politischer Entscheidungsträger:innen, der breiten Öffentlichkeit und des Privatsektors, zu anhaltenden Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber indigenen Gemeinschaften bei. So ist zum Beispiel die tief verwurzelte und weit verbreitete Unterdrückung indigener Völker in manchen Ländern ein Hauptgrund für die unverhältnismäßig hohe Zahl inhaftierter indigener Personen.
  • Die Missachtung der Konsultationspflicht mit indigenen Völkern ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor. Während einige Länder bestimmte Aspekte der Rechte indigener Völker anerkennen, sind spezifische Gesetze, die das Recht auf Konsultation garantieren, noch nicht weit verbreitet. Konsultationen mit indigenen Völkern sollten im Rahmen geeigneter Verfahren stattfinden, die ein Klima des gegenseitigen Vertrauens fördern. Es muss gewährleistet werden, dass indigene Völker alle relevanten Informationen und ausreichend Zeit haben, um ihre eigenen Entscheidungsprozesse führen und sich effektiv an den Entscheidungen beteiligen zu können. Dies sollte in einer Weise geschehen, die mit ihren kulturellen und sozialen Traditionen vereinbar ist. Ohne diese Garantien besteht die Gefahr, dass die Rechte indigener Völker verletzt werden.
  • Gegensätzliche Interessen zwischen verschiedenen lokalen Gemeinschaften bergen die Gefahr, bestehende Spannungen zu verstärken oder Teile der Bevölkerung zu verärgern. Oftmals bestehen lokale Gemeinschaften sowohl aus indigenen als auch aus nicht-indigenen Gruppierungen. Verschiedene Interessen zwischen konkurrierenden Gruppierungen, z. B. bei Infrastrukturprojekten, können zu Konflikten führen, wenn sie von den beteiligten Unternehmen nicht sorgfältig gehandhabt werden.
  • Ein schlechtes Umfeld für Bodenbesitzrechte, wo traditionell indigene Gebiete schlecht dokumentiert und/oder unklar definiert sind, stellt einen weiteren Risikofaktor dar. Unsichere Landbesitzverhältnisse aufgrund der mangelnden Anerkennung indigener Besitztümer, Landraub und Zwangsumsiedlung oder das Fehlen eindeutiger Landrechte erhöhen das Risiko von Landkonflikten.
  • Ein schlechtes Umfeld für bürgerliche und politische Rechte kann sich ebenfalls negativ auf die Rechte indigener Völker auswirken. Das Risiko von Verletzungen der Rechte indigener Völker ist tendenziell in repressiven Ländern höher, in denen beispielsweise das zivilgesellschaftliche Umfeld schrumpft und indigene Menschenrechts- und Umweltaktivist:innen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sind. In einigen Ländern können sozio-ökologische Konflikte zu Übergriffen durch Sicherheitskräfte oder zur militärischen Besetzung indigener Gebiete führen.
  • Eine mangelnde institutionelle Kultur oder fehlende Fachkenntnisse innerhalb von Unternehmen können sinnvolle Beziehungen zu indigenen Gruppen behindern. Der Aufbau einer wirksamen Zusammenarbeit kann aufgrund der vielfältigen indigenen Führungsstrukturen zu einer noch größeren Herausforderung werden.