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Kinderarbeit

Weltweit ist fast jedes zehnte Kind von Kinderarbeit betroffen – eine Zahl, die zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten gestiegen ist und durch Klima- Gesundheits-, und Sicherheitskrisen voraussichtlich weiter zunehmen wird.

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Branchenspezifische Risikofaktoren

Kinderarbeit ist zwar in vielen Wirtschaftsbereichen zu finden, aber die folgenden Sektoren weisen ein besonders hohes Risiko auf. Um mögliche Kinderarbeitsrisiken in anderen Branchen zu ermitteln, können Unternehmen auf den CSR Risiko-Check zurückgreifen.

Landwirtschaft

Nach Schätzungen der ILO waren 2020 rund 70 % der arbeitenden Kinder weltweit – 112 Millionen Kinder – in der Landwirtschaft beschäftigt, einschließlich in der Fischereiindustrie, Aquakultur und Viehzucht. Obwohl bestimmte Arbeiten in landwirtschaftlichen Familienbetrieben für Kinder akzeptabel sind – vorausgesetzt, sie sind nicht gefährlich und halten die Kinder nicht von ihrem Ausbildungsweg ab – sind viele Formen der Kinderarbeit in landwirtschaftlichen Lieferketten nicht legal. Aus einem Bericht des US-Arbeitsministeriums für das Jahr 2022 (engl.) geht hervor, dass Kinderarbeit in der Landwirtschaft am häufigsten bei Erzeugnissen wie Bananen, Fleisch- und Milchprodukte, Kakao, Kaffee, Baumwolle, Fisch, Reis, Zucker und Tabak vorkommt.

Zu den agrarspezifischen Risikofaktoren zählen:

  • Stückpreise: Viele landwirtschaftliche Arbeitsplätze werden nach der Menge der geernteten Produkte bezahlt, was Eltern dazu ermutigt, ihre Kinder mitzubringen, damit sie beim Sammeln helfen.
  • Saison- und Wanderarbeit: Aufgrund der Saisonabhängigkeit ist der Agrarsektor traditionell stark auf Saison- und Wanderarbeitende angewiesen. Das kann dazu führen, dass die Kinder von Saison- und Wanderarbeitenden oft nicht lange genug an einem Ort bleiben, um dort die Schule zu besuchen, und stattdessen mit ihren Eltern auf dem Feld arbeiten.
  • Familien: Kinderarbeit in Familienbetrieben ist für Unternehmen schwer ausfindig zu machen, da Familienbetriebe in der Regel größere Genossenschaften oder Großhändler beliefern und innerhalb der Lieferkette relativ unsichtbar sind. Außerdem lässt sich Kinderarbeit innerhalb der Familie bei Kontrollen leicht verbergen.
Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • OECD-FAO, Leitfaden für verantwortungsvolle landwirtschaftliche Lieferketten: Dieser Leitfaden bietet einen allgemeinen Rahmen, der Unternehmen und Investor:innen helfen soll, eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und Kinderarbeit zu erkennen und zu unterbinden. Der Leitfaden ist für Unternehmen in der gesamten landwirtschaftlichen Lieferkette relevant.
  • Deutsches Forum Nachhaltiger Kakao: Diese Multi-Stakeholder-Initiative zielt darauf ab, die Lebensbedingungen der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern sowie den Anteil des nach Nachhaltigkeitsstandards zertifizierten Kakaos zu erhöhen. Das Hintergrundpapier der Initiative enthält hilfreiche Informationen über Kinderarbeit im westafrikanischen Kakaosektor und mögliche Lösungen zur Bekämpfung dieses Problems.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • FAO, Framework on Ending Child Labour in Agriculture: Dieses Rahmenwerk dient der FAO und ihrem Personal als Leitfaden für die Einbindung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarbeit in den typischen Programmen und Initiativen der FAO.
  • FAO, Regulating Labour and Safety Standards in the Agriculture, Forestry and Fisheries Sectors: Diese Informationen geben Auskunft über internationale Arbeitsnormen, die im landwirtschaftlichen Bereich gelten, einschließlich derjenigen über Kinderarbeit.
  • FAO, e-Learning Academy: Business Strategies and Public-Private Partnerships to End Child Labour in Agriculture: Dieser Kurs stellt verschiedene geschäftsorientierte Strategien zur Reduzierung von Kinderarbeit in landwirtschaftlichen Lieferketten vor.
  • ILO, Child Labour in the Primary Production of Sugarcane: Dieser Bericht gibt einen Überblick über die Zuckerrohrindustrie, einschließlich der wichtigsten Herausforderungen und Möglichkeiten bei der Bekämpfung der Kinderarbeit.
  • Fair Labor Association, ENABLE Training Toolkit on Addressing Child Labor and Forced Labor in Agricultural Supply Chains: Dieses Toolkit dient Unternehmen als Leitfaden bei der Kartierung der Lieferketten und der Abschaffung von Kinderarbeit in Lieferketten. Es umfasst sechs Schulungsmodule, einen Leitfaden für Moderator:innen, Präsentationsfolien und ein Handbuch für die Teilnehmenden.
  • Principles for Responsible Investment (PRI), From Farm to Table: Ensuring Fair Labour Practices in Agricultural Supply Chains: Diese Umsetzungshilfe bietet Leitlinien dazu, worauf Investor:innen bei Unternehmen achten sollten, damit diese Missstände in landwirtschaftlichen Lieferketten beseitigen.
  • Sustainable Agriculture Initiative (SAI) Platform: Das Leitliniendokument zur Kinderarbeit von SAI erleichtert ihren Mitgliedern die Ausarbeitung von Maßnahmen und Richtlinien gegen Kinderarbeit.
  • Rainforest Alliance, Child Labor Guide: Dieser Leitfaden wurde entwickelt, um das Management von landwirtschaftlichen Betrieben bei der Bekämpfung von Kinderarbeit in ihren Betrieben zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kaffee, Kakao, Haselnüssen und Tee; er kann jedoch auch für andere Anbaukulturen verwendet werden.
  • Fairtrade International, Guide for Smallholder Farmer Organisations – Implementing Human Rights and Environmental Due Diligence (HREDD)Dieser Leitfaden dient als Hilfestellung bei der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltsprozesse in kleinbäuerlichen Organisationen.
  • UNICEF, Mapping Child Labour Risks in Global Supply Chains: Diese Studie enthält eine detaillierte Analyse der Sektoren Bekleidung, Elektronik und Landwirtschaft. Sie wurde als Hintergrundbericht für den Bericht der Alliance 8.7 zum Thema „Beendigung von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel in globalen Lieferketten“ verfasst.

Mode und Bekleidung

In der Mode- und Bekleidungsindustrie wird das Risiko der Kinderarbeit als sehr hoch eingeschätzt.

Zu den mode- und bekleidungsspezifischen Risikofaktoren zählen:

  • Subunternehmertum: In dieser Branche gibt es viel Subunternehmertum und Outsourcing, was eine Rückverfolgung zum Ursprung der Produkte schwierig macht. Dadurch werden diese Teile einer Lieferkette im Rahmen von Sorgfaltsprüfungen oft übersehen.
  • Heimarbeit: Die Heimarbeit ist dabei besonders schwer zu überwachen, da der Ort der Heimarbeit den Unternehmen oft nicht bekannt ist und es keine Möglichkeit gibt, die Arbeitszeiten oder die dort arbeitenden Personen zu kontrollieren. Recherchen der University of California, Berkeley zeigen, dass es sich bei den Tätigkeiten, die häufig an Heimarbeitende outgesourct werden, in der Regel um Endfertigungen handelt, wie z. B. Perlenstickerei oder das Anbringen von Quasten. Es sind Arbeiten, die präzise Handarbeit erfordern und nicht von Maschinen durchgeführt werden können. Kleinere Kinderhände können für diese präzise Arbeit als nützlich erachtet werden.
  • Gender: Studien weisen darauf hin, dass die meiste Heimarbeit in der Bekleidungsindustrie von Frauen und Mädchen verrichtet wird (siehe Kernthema Gleichstellung der Geschlechter).
Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • OECD, Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten in der Bekleidungs- und Schuhwarenindustrie: Dieser Leitfaden soll Mode- und Bekleidungsunternehmen dabei helfen, die in den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen enthaltenen Empfehlungen für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht umzusetzen, damit die möglichen negativen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten und Lieferketten auf verschiedene Menschenrechte, einschließlich Kinderarbeit, reduziert und vermieden werden.
  • Bündnis für nachhaltige Textilien, Soziale Bündnisziele: Das Bündnis für nachhaltige Textilien – eine Multi-Akteurs-Partnerschaft mit rund 135 Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Standardorganisationen hat soziale Ziele – einschließlich zur Kinderarbeit – ausgearbeitet, die alle Mitglieder durch ihren Beitritt zum Bündnis anerkennen.
  • Grüner Knopf: Ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien der deutschen Regierung mit dem Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit als eines der Zertifizierungskriterien.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • Fair Wear Foundation, The Face of Child Labour: Stories from Asia’s Garment Sector: Dieser Bericht versucht, das Verständnis von der Realität von Kinderarbeit zu verbessern, indem Interviews mit Kindern, die in der asiatischen Bekleidungsindustrie arbeiten, vorgestellt werden.
  • Fair Labor Association, Child Labor in Cotton Supply Chains: Collaborative Project on Human Rights in Turkey: Dieser Bericht untersucht die Lieferketten des Baumwoll- und Stoffsektors in der Türkei und enthält Empfehlungen für Unternehmen und andere Beteiligte zur Bekämpfung von Kinderarbeit in Baumwolllieferketten.
  • Fair Labor Association, Children’s Lives at Stake: Working Together to End Child Labour in Agra Footwear Production: Dieser Bericht verdeutlicht die weite Verbreitung von Kinderarbeit in der Schuhproduktion in Agra, Indien, und enthält Empfehlungen für einkaufende Unternehmen, u. a. zur Verbesserung ihrer Richtlinien zur Vergabe von Unteraufträgen.
  • SOMO, Branded Childhood: How Garment Brands Contribute to Low Wages, Long Working Hours, School Dropout and Child Labour in Bangladesh: Dieser Bericht veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Kinderarbeit und niedrigen Löhnen für erwachsene Beschäftigte und enthält eine Reihe konkreter Empfehlungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit für Unternehmen, die in Bangladesch zukaufen.
  • Save the Children, In the Interest of the Child? Child Rights and Homeworkers in Textile and Handicraft Supply Chains in Asia: Diese Studie liefert Informationen über die positiven und negativen Auswirkungen von Heimarbeit und Arbeit in kleinen Werkstätten auf Kinderrechte und zeigt Verfahren zur Verbesserung der Kinderrechte in solchen Umgebungen auf.
  • UNPRI, An Investor Briefing on the Apparel Industry: Moving the Needle on Labour Practices: Dieses Briefing bietet institutionellen Investor:innen eine Anleitung zur Identifizierung negativer Einflüsse auf die Menschenrechte in der Bekleidungsindustrie, einschließlich solcher, die Kinderarbeit betreffen.
  • UNICEF, Mapping Child Labour Risks in Global Supply Chains: Diese Studie enthält eine detaillierte Analyse der Sektoren Bekleidung, Elektronik und Landwirtschaft. Sie wurde als Hintergrundbericht für den Bericht der Alliance 8.7 zum Thema „Beendigung von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel in globalen Lieferketten“ verfasst.

Rohstoffe und Bergbau

Kinderarbeit findet in Bereichen des Kleinbergbaus (engl.: artisinal and small-scale mining – ASM) statt und steht im Zusammenhang mit dem Abbau von „Konfliktmineralen“ wie Tantal, Zinn, Wolfram und Gold sowie anderen Mineralen wie Kobalt. ASM-Arbeiten können gefährlich sein und persönliche Schutzausrüstung (PSA) wird nur selten bereitgestellt. Ein Bericht des US-Arbeitsministeriums für das Jahr 2022 (engl.) lässt darauf schließen, dass auch Gold, Kohle, Granit, Kies, Diamanten und Glimmer mit Kinderarbeit verbunden sind.

Zu den bergbauspezifischen Risikofaktoren zählen:

  • Klein und zierlich: Kinder werden häufig für das Graben und Schürfen eingesetzt, da sie in engere Räume vordringen können, oder für den Transport von abgebauten Produkten wie Edelsteinen oder Metallen zwischen den Abbaugebieten/Minen und den Raffinations-/Wasch-/Filteranlagen.
  • Globale Lieferketten: Rohstoffe, die von Kindern abgebaut werden, können in globalen Lieferketten landen, unter anderem in der Automobil-, Bau-, Kosmetik-, Elektronik- und Schmuckindustrie. So hat beispielsweise die zunehmende Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge zu einer steigenden Nachfrage nach Kobalt geführt – einem wichtigen Rohstoff für Batterien. Rund 70 % des Kobalts (Stand Januar 2023) stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, einem der ärmsten und instabilsten Länder der Welt und in dem ASM-Arbeiten üblich sind, was folglich das Risiko von Kinderarbeit erhöht.
Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • OECD, Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten: In den OECD-Leitsätzen werden die schlimmsten Formen der Kinderarbeit als schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Gewinnung, dem Transport oder dem Handel von Rohstoffen genannt. Dieser Leitfaden enthält zudem praktische Maßnahmen für Unternehmen zur Erkennung und Bekämpfung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit in den Lieferketten für mineralische Rohstoffe und zur Durchführung einer damit verbundenen Sorgfaltsprüfung.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • ILO, Child Labour in Mining and Global Supply Chains: Dieser kurze Bericht beschreibt das Ausmaß der Kinderarbeit im Kleinbergbau (ASM) und die Risiken für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und gibt Empfehlungen für Unternehmen zur Lösung dieses Problems.
  • OECD, Practical actions for companies to identify and address the worst forms of child labour in mineral supply chains: Dieser Bericht wurde für Unternehmen verfasst, um ihnen zu helfen, die Risiken von Kinderarbeit in ihren Lieferketten für Mineralien zu erkennen, zu mindern und zu berücksichtigen.
  • ILO, Mapping Interventions Addressing Child Labour and Working Conditions in Artisanal Mineral Supply Chains: Dieser Bericht gibt einen detaillierten Überblick über Projekte und Initiativen, die sich gegen Kinderarbeit im Kleinbergbau für verschiedene Rohstoffe richten.
  • UNICEF, Child Rights and Mining Toolkit: Best Practices for Addressing Children’s Issues in Large-Scale Mining: Dieses Toolkit hilft industriellen Bergbauunternehmen bei der Konzipierung und der Umsetzung von sozialen und ökologischen Strategien (von der Folgenabschätzung bis zu sozialen Investitionen), die die Rechte von Kindern respektieren und fördern sowie auch die Abschaffung von Kinderarbeit zum Ziel haben.
  • SOMO, Global Mica Mining and the Impact on Children’s Rights: Dieser Bericht gibt einen Überblick über die weltweite Glimmerproduktion und identifiziert direkte und indirekte Zusammenhänge mit Kinderarbeit.
  • SOMO, Beauty and a Beast: Child Labour in India for Sparkling Cars and Cosmetics: Dieser Bericht befasst sich mit dem illegalen Glimmerabbau in Indien.
  • Responsible Jewellery Council (RJC), Responsible Jewellery Council Standards Guidance: Dieser Leitfaden bietet RJC-Mitgliedern einen Lösungsvorschlag zur Umsetzung der verbindlichen Anforderungen des Verhaltenskodex des RJC, einschließlich der Abschaffung von Kinderarbeit im Bergbau.
  • Responsible Minerals Initiative, Material Change: A Study of Risks and Opportunities for Collective Action in the Materials Supply Chains of the Automotive and Electronics Industries: Dieser Bericht untersucht die verantwortungsvolle Beschaffung von Rohstoffen in der Automobil- und Elektronikindustrie, einschließlich der Zusammenhänge mit Kinderarbeit. Die Responsible Minerals Initiative bietet Bergbauunternehmen auch andere hilfreiche Informationen über verschiedene Maßnahmen für menschenrechtliche Sorgfalt in ihren Betrieben.
  • UNICEF, Mapping Child Labour Risks in Global Supply Chains: Diese Studie enthält eine detaillierte Analyse der Sektoren Bekleidung, Elektronik und Landwirtschaft. Sie wurde als Hintergrundbericht für den Bericht der Alliance 8.7 zum Thema „Beendigung von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel in globalen Lieferketten“ verfasst.
  • UNICEF, Extractive Pilot – Children’s Rights in the Mining Sector: Dieser Bericht soll die Auswirkungen der Bergbauindustrie auf die Kinderrechte aufzeigen und die Einbeziehung der Kinderrechte in unternehmerische Sorgfaltsprozesse erleichtern.

Elektronikfertigung

Die Elektronikindustrie birgt Risiken für Kinderarbeit und junge Beschäftigte. Zu den branchenspezifischen Risikofaktoren zählen:

  • Arbeitserfahrung: In mehreren asiatischen und südostasiatischen Ländern gibt es staatliche Programme für Studierende und junge Beschäftigte, die Berufserfahrungen in großen Unternehmen sammeln können. Es gibt jedoch Meldungen über den Missbrauch dieser Programme, wobei die Ausweise der Studierenden und jungen Beschäftigten gefälscht werden, damit sie länger arbeiten und gefährlichere Tätigkeiten ausüben können.
  • Rohstoffe: Elektronikunternehmen können über ihre Rohstofflieferketten mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden, da einige der Minerale und Metalle, die zur Herstellung elektronischer Komponenten verwendet werden, im Zusammenhang mit Kinderarbeit stehen (z. B. Gold) – siehe den Abschnitt Bergbau.
Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • Responsible Business Alliance (RBA), Student Workers Management Toolkit: Dieses Toolkit unterstützt das Personalmanagement und andere Führungskräfte bei der verantwortungsvollen Rekrutierung und Leitung von studentischen Arbeitskräften in der Elektronikfertigung.
  • Responsible Minerals Initiative, Material Change: A Study of Risks and Opportunities for Collective Action in the Materials Supply Chains of the Automotive and Electronics Industries: Dieser Bericht untersucht die verantwortungsvolle Beschaffung von Materialien in der Automobil- und Elektronikindustrie, einschließlich der Zusammenhänge mit Kinderarbeit.
  • SOMO, Gold from Children’s Hands: Use of Child-Mined Gold by the Electronics Sector: Dieser Bericht beschreibt Kinderarbeit im Goldbergbau und beleuchtet die Verbindungen der dazugehörigen Lieferkette zur Elektronikindustrie.
  • UNICEF, Mapping Child Labour Risks in Global Supply Chains: Diese Studie enthält eine detaillierte Analyse der Sektoren Bekleidung, Elektronik und Landwirtschaft. Sie wurde als Hintergrundbericht für den Bericht der Alliance 8.7 zum Thema „Beendigung von Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel in globalen Lieferketten“ verfasst.

Reisen und Tourismus

Unternehmen in der Reise- und Tourismusbranche (z. B. Hotels, Restaurants und Reiseveranstalter) können mit Kinderarbeit und Kinderhandel, insbesondere in der Luftfahrtindustrie, in Verbindung gebracht werden. Zu den reise- und tourismusspezifischen Risikofaktoren zählen:

  • Entwicklungsländer: Kinder in Entwicklungsländern werden oft eingesetzt, um Souvenirs zu verkaufen oder Familienbetriebe wie Restaurants zu unterstützen. Auch wenn diese Art von Arbeit für Kinder generell akzeptabel ist – vorausgesetzt, sie ist nicht gefährlich und hindert sie nicht daran, eine Ausbildung zu erlangen – kann es auch Kinderarbeit sein, wenn die Kinder deswegen nicht mehr zur Schule gehen.
  • Sexuelle Ausbeutung:Sextourismus mit Kindesmissbrauch sowie der Handel und Missbrauch von Kindern für sexuelle Aktivitäten für Tourist:innen kommen überall auf der Welt vor.

Unternehmen aus anderen Sektoren, die als Teil ihrer Geschäftstätigkeiten oder in ihrer Lieferkette Reise- und Tourismusdienstleistungen nutzen, können ebenfalls mit der Ausbeutung von Kindern in Verbindung gebracht werden.

Hilfreiche Informationen

Hilfreiche Informationen auf Deutsch

  • Roundtable Menschenrechte im Tourismus e.V., Menschenrechte im Tourismus: Ein Umsetzungsleitfaden für Reiseveranstalter: Dieser Leitfaden soll Reiseveranstalter:innen bei der Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte behilflich sein und enthält Verweise auf Kinderarbeit.

Hilfreiche Informationen auf Englisch

  • ILO, Guidelines on Decent Work and Socially Responsible Tourism: Diese Leitlinien bieten praktische Informationen für die Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Programmen zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus und zur Stärkung des Arbeitsschutzes, einschließlich des Schutzes von Kindern vor Ausbeutung.
  • ChildSafe Movement und G Adventures Inc, Child Welfare and the Travel Industry: Global Good Practice Guidelines: Diese Richtlinien bieten Informationen zum Schutz von Kindern in der gesamten Reiseindustrie sowie Umsetzungshilfen für Unternehmen zur Unterbindung aller Formen der Ausbeutung und des Missbrauchs von Kindern im Zusammenhang mit der Tourismusindustrie.
  • International Tourism Partnership, The Know How Guide: Human Rights and the Hotel Industry: Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die Menschenrechte (einschließlich Kinderarbeit) im Gastgewerbe und enthält eine Orientierungshilfe für die Entwicklung einer Menschenrechtsrichtlinie, die Erfüllung der Sorgfaltspflicht und den Umgang mit nachteiligen Auswirkungen auf die Menschenrechte.